Staatsanwaltschaft ermittelt wegen gefälschter Windows 7 gegen pcfritz

Windows 7 Professional für 29,90 Euro? Hört sich verlockend an. Der ostdeutsche Onlineshop pcfritz warb mit solchen Angeboten in den letzten Monaten um Kundschaft.

Wer dort kaufte, muss sich nun möglicherweise Sorgen machen, ob es sich bei seinem Betriebssystem nicht um eine Fälschung handelt. Es besteht der Verdacht, dass sich der nach eigenem Bekunden krebskranke Geschäftsführer Maik Mahlow, der in der Öffentlichkeit gerne T-Shirts mit der Aufschrift „Ich sterbe – na und?“ trägt und sein Geld mit einem verschwenderischen Lebensstil unter die Leute bringt, mit dem Verkauf von illegalen Datenträgern / Echtheitszertifikaten finanziert.

Nach monatelangen Ermittlungen wurde nun in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Halle gegen pcfritz zum Schlag ausgeholt: wie Microsoft berichtet, durchsuchten ca. 100 Beamte 18 Objekte und stellten dabei rund 100.000 verdächtige Datenträger sicher.

heise.de zitiert pcfritz mit der Aussage, es habe sich um gebrauchte Datenträger gehandelt (da dies so nicht beworben wird, handelt es sich offenbar um bewusste Kundentäuschung und unlauteren Wettbewerb). Weiter führt pcfritz dort aus, dass sie ihre Lizenzen von Unternehmen beziehen, „die ihrerseits größere Posten gebrauchter PCs […] aufkaufen und die enthaltenen Software-Lizenzaufkleber und Datenträger isolieren“. Gerade Letzteres aber verstieße gegen das Markenrecht des Herstellers, wie der BGH bereits im Jahr 2011 entschied.

Ob pcfritz die Beschuldigungen von Staatsanwaltschaft und Hersteller widerlegen kann, wird sich zeigen. Momentan jedenfalls verstrickt sich der verdächtigte Händler mit seinen Aussagen immer weiter im juristischen Dickicht von Lizenz- und Markenrecht.

Quelle: Microsoft

Nachtrag vom 25.09.2013: Mittlerweile berichtet der Stern, dass die Hintermänner bei pcfritz offenbar unter falschem Namen agieren und bereits vor zwei Jahren in einen ähnlichen Verdacht gerieten wie jetzt pcfritz. Auf Krankheit angesprochen antwortet Mahlow dem Stern, „sie sei im vergangenen Jahr in einem Krankenhaus ‚irgendwo in Kiew, aber sehr modern‘, diagnostiziert worden. Zur Behandlung nehme er ‚ein paar Tabletten, aber sonst hauptsächlich (…) Insulin.'“

Nachtrag vom 4.10.2013: Der Freie Journalist Lars Sobiraj weist in seinem aktuellen sehr lesenswerten Beitrag in seinem Blog auf interessante mögliche Zusammenhänge zwischen PC-Fritz und anderen Unternehmen hin. So verlinkt die einem der auf der PC-Fritz-Pressekonferenz am Montag anwesenden Anwälte Mahlows gehörende Domäne Software.de auf das Angebot von pcfritz. Pikant: Firat C. gab noch bis 2.10.2013 in seinem Xing-Profil an, Geschäftsführer der Software.de zu sein, was von Mahlow aber im Interview mit Sobiraj bestritten wird. Ein Impressum sucht man übrigens auf Software.de vergebens.