Vorsicht vor unseriösen Angeboten zu ESD-Lizenzen per E-Mail

Immer wieder landen Angebote zu scheinbar sehr günstigen ESD-Lizenzen in den E-Mail-Postfächern von Händlern und Endkunden. Scheinbar unglaublich niedrige Preise für Microsoft Windows 7, Windows 8.1, Windows 10 oder Microsoft Office 2013 sorgen nicht selten dafür, dass eine gesunde Portion Misstrauen und Zweifel an einem Angebot ausgeblendet werden.

Hier ein Beispiel für eine entsprechende E-Mail, in der versucht wird, Kunden ungültige Lizenzcodes verschiedener Microsoft-Produkte zum vermeintlichen Schnäppchenpreis zu verkaufen (Preise in Euro, netto):

Angebot eines unseriösen Händlers per E-Mail.
Angebot eines unseriösen Händlers per E-Mail.

In der E-Mail heißt es weiter:

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit unterbreite ich ihnen ein Angebot von unsere Windows ESD Produkte an.

Warum ESD-Versionen?

ESD Versionen (Electronic Software Distribution) bieten dem Käufer den enormen Vorteil die gleiche Software zu einem deutlich günstigeren Preis zu erwerben. In Deutschland ist der Erwerb, Vertrieb sowie die Nutzung von ESD-Versionen vollkommen legal. Sprich, der Handel von ESD-Versionen auch ohne Bindung an Hardware ist rechtskräftig gestattet. Die Leistung und Handhabung der Betriebssysteme im vergleich zu Versionen aus dem Einzelhandel ist identisch, der einzige unterschied besteht in der Art des Mediums. Sie erhalten die im Lieferumfang beschriebenen Inhalte per Mail zugesandt.

Mit freundlichen Grüßen

xxxxx

Achten Sie bei E-Mails auf ein seriöses Auftreten des Händlers, fehlerhafte Rechtschreibung und Orthografie sind selten Kennzeichen eines professionellen Anbieters. Allerdings darf nicht der Umkehrschluss gezogen werden, dass eine fehlerfreie und seriös wirkende E-Mail einen Betrugsversuch ausschließt. Weitere Indikatoren zur Erkennung eines seriösen Händlers können individuelle und authentische Produktfotos, vertrauenswürdige Zertifikate, eine realistische Preisgestaltung sowie ein vollständiges Impressum sein. Auch hier muss aber erwähnt werden: Auch seriöse Händler verwenden mitunter Fotos standardmäßiger Produktverpackungen (“box shots”), ein realistischer Preis schützt auch nicht vor Fälschungen. Lesen Sie das „Kleingedruckte“ und achten Sie auf Unstimmigkeiten, etwa fehlerhafte Produktbezeichnungen, zweifelhafte Aussagen oder leere Versprechungen. Der Gesamteindruck muss stimmig sein, Zweifel am Anbieter dürfen nicht auftreten. Vor dem Kauf ist eine Recherche sinnvoll, um detaillierte Informationen zum Anbieter und entsprechende Kundenrezensionen zu finden.

Wichtig: Seien Sie bei solchen Angeboten skeptisch. Kaufen Sie ESD-Lizenzen nur bei Microsoft oder qualifizierten Fachhändlern. Eine gute Alternative ist gebrauchte Software von seriösen Händlern, hier kann Software inklusive physischer Installationsmedien und Echtheitszertifikat (CoA) zum guten Preis erworben werden.

Was ist eine ESD-Lizenz eigentlich?

Eine ESD-Lizenz (Electronic Software Distribution, elektronischer Softwarevertrieb) ist eine elektronisch übermittelte Lizenz, bei der üblicherweise ein Lizenzcode via E-Mail zugestellt wird. Dieser muss dann beim Hersteller während oder nach der Installation eingegeben werden, um ein Produkt zu aktivieren. Beim Kauf einer ESD-Version verzichtet der Käufer auf eine Produktverpackung, einen Datenträger und ein Handbuch. Da es sich um einen Lizenzcode via E-Mail handelt, ist auch kein Echtheitszertifikat (CoA) vorhanden – ein wichtiges Sicherheitsmerkmal, das vor Softwarefälschungen schützt.

Wie gehen unseriöse Händler vor? Worauf sollte ich achten?

Am Markt sind einige unseriöse Händler vorzufinden, die die Unwissenheit oder Gutgläubigkeit einiger Kunden auszunutzen versuchen und ESD-Versionen vertreiben, für die keine gültige Lizenz vorliegt. Durch extrem niedrige Preise, scheinbare Sicherheiten und das Versprechen eines schnellen Versands des Lizenzcodes gehen solche Händler auf Kundenfang. Nicht aufgepasst, erhalten Kunden einen Lizenzcode, der nicht mit einer gültigen Lizenz verbunden ist. Die Betrüger bieten Lizenzcodes an, die bereits mehrfach aktiviert wurden – vor allem bei älteren Produkten, etwa Microsoft Office 2010. Weitere Methoden sind der Verkauf von Firmenkeys, die sich mehrfach aktivieren lassen, aber nur für einen großen gewerblichen Lizenznehmer herausgegeben wurden und illegal entwendet wurden (auch bei aktuellen Produkten möglich) sowie von Keygeneratoren („Keygens“) errechnete Lizenzcodes.

In den seltensten Fällen wird der Code beim Kunden nicht akzeptiert, üblicherweise wird der Lizenzcode zunächst angenommen und erst zu einem späteren Zeitpunkt wird eine Sperrung seitens Microsoft vorgenommen. In beiden Fällen bleibt der Kunde auf den Kosten sitzen oder muss gerichtliche Schritte gegen den „Händler“ einleiten, was schwierig und langwierig werden kann, denn meist sind die einschlägigen Händler nur kurz auf dem Markt und beim Auftreten der Probleme schon längst abgetaucht.

Checkliste: Was kann ich tun, um nicht auf ESD-Betrug hereinzufallen?

– Seinen Sie skeptisch, wenn Lizenzen zu extrem niedrigen Preise angeboten werden.

– Physische Installationsmedien bieten einen Mehrwert, können unkompliziert weiterverkauft werden und weisen zusätzliche Sicherheitsmerkmale auf, etwa ein Echtheitszertifikat.

– Alternative Gebrauchtsoftware: Gebrauchte Software von seriösen Händlern ist ebenfalls günstig, bietet aber einen umfangreichen Lieferumfang sowie physische Installationsmedien und ein Echtheitszertifikat. Vorteil: Auch wenn der Hersteller den Download eines Tages (z.B. nach Erscheinen der Nachfolgeversion) abschaltet, können Sie mit dem erworbenen Datenträger jederzeit wieder eine Neuinstallation (z.B. nach einem Systemabsturz) vornehmen.

– Muss es eine ESD-Version sein, bei Microsoft oder einem zertifizierten Händler kaufen. Im Vergleich zum Kauf physischer Installationsmedien ist zwar der Kaufpreis unbedeutend geringer, allerdings erhält man auch ein weniger wertvolles Produkt. Schließlich werden seriöse Gebrauchtsoftwarehändler keine ESD-Lizenzcodes ankaufen, da es schwierig sicherzustellen ist, ob der Key echt ist und nicht schon mehrfach verkauft wurde. Deshalb ist es vorteilhaft, nach Möglichkeit keine ESD-Keys zu erwerben, solange es Alternativen gibt.

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9 Kommentare

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  1. Ich kaufe seit vielen Jahren Kaspersky ESD Produkte aus England, wo die nur ein fünftel kosten (gegenüber Deutschland) und hatte noch nie Probleme mit der Lizenz.

  2. Wichtig ist es beim Thema gebrauchte Software kaufen, dass Sie mit einem seriösen Händler zusammenarbeiten. Denn auch wenn der Europäische Gerichtshof im Jahr 2012 im sogenannten UsedSoft-Urteil den Erschöpfungsgrundsatz festgestellt hat, können nur seriöse Händler tatsächlich die Bedingungen für den legalen Handel mit gebrauchter Software garantieren. Denn der Erschöpfungsgrundsatz liegt erst dann vor, wenn der Erstkäufer all seine Kopien der Software vom Rechner und aus der Cloud gelöscht hat. Außerdem tummeln sich im Internet viele schwarze Schafe. Sie schlagen auf sogenannten Keybörsen zu und kaufen illegale Lizenzschlüssel. Der naive Käufer guckt dann in die Röhre, wenn Microsoft plötzlich die Lizenzschlüssel sperrt. Das Geld ist weg und die dubiosen Geschäftemacher meist nicht mehr greifbar. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit [URL/Händler durch die Redaktion entfernt] gemacht, die bei Trustami, Trusted Shops und Amazon fast 100 % positive Bewertungen bekommen haben. Wer sich also für gebrauchte Software interessiert, sollte sich zuerst mal die Bewertungen der Händler anschauen. Dies ist ein guter Anhaltspunkt, um herauszufinden, ob ein Händler seriös ist.

    1. Eine gute Bewertung bei Amazon heißt … nichts.

      Bedeutet nur, dass genügend Nutzer zufrieden sind.
      Ich kenne zufriedenen Nutzer (auch gewerbliche!), die ich darauf hingewiesen habe, dass sie eine Raubkopie nutzen. War ihnen egal, Hauptsache erst einmal ein paar Euro gespart.
      Ich weiß auch Anbieter bei Amazon, bei denen die schlechten Bewertungen wegen Raubkopie-Versand nur dem Ersteller dieser “Rezension” angezeigt wurden, Microsoft und Amazon wussten aber von den Raubkopien, Microsoft hat die Ware als Raubkopie einhalten, Amazon das Geld zurückerstattet. Und trotzdem blieb dieser Händler drin.
      Ein Schelm, wer sich da wundert.

  3. Sehr guter Beitrag. Im Zweifel sollte man sich doch an namhafte Adressen wenden. Egal ob iPad SAP oder einfach nur Office Programme – Beim Fachhändler geht sowas nicht schief.

  4. Ich bin selber seit mehreren Jahren selbstständiger IT-Betreuer mit Schwerpunkt auf Privat- und kleineren Firmenkunden.
    Damals konnte ich beispielsweise kaum Office-Versionen verkaufen die Inbox waren, da der Preis für den regulären Kleinhändler einfach zu hoch war. Mit den ESD-Lizenzen lief das dann etwas besser an. Und bei meinem aktueller Lieferant hatte ich bisher nach fast 5 Jahren Geschäftsbeziehung noch keine Schwierigkeiten trotz relativ günstiger Preise. Größere Firmen greifen wohl eher auf Volumenslizenzen zurück, der “Kleine” beißt in den sauren Apfel 🙂
    Ich für meinen Teil kann ESD durchaus empfehlen. Hängt natürlich vom Händler ab welche Qualität man erhält. Aber es muss klar sein, dass Productkeys nicht unter einem gewissen Mindestwert sein dürfen. Wie Elena vorhin schrieb kann dies halt bei Fremdmisbrauch auch teurere Produkte treffen. Der Preis schützt nicht vor Mehrfachaktivierung.
    Beispielsweise kann ich bei einem europäischen Großhändler einen Original-Windows-10 Pro Datenträger für 123 Euro Netto vor Steuer bestellen (zzgl. Versandkosten). Bei meinem Lizenzhändler komme ich da gerade mal auf etwa 50 Euro momentan (ebenfalls Netto). Und man ist auch mit einer Version die man “in der Hand hat” auch nicht davor gefeit, dass jemand mittels SN-Generator genau meinen Code erwischt 😉 Und selbst wenn die ESD-SN irgendwann gesperrt werden würde könnte ich mir für den Differenzwert nahezu drei Lizenzen kaufen.
    In diesem Sinne: Es ist nicht alles schlecht, was günstig(er) ist!

    1. Hallo EMi, vielen Dank für Ihren Diskussionsbeitrag. Dazu möchte ich aber kritisch anmerken:

      Wenn “dass Productkeys nicht unter einem bestimmtem Mindestwert sein dürfen” bedeutet, dass man darauf achten muss, dass sie nicht zu billig sein dürfen, dann ist das zwar ein guter Vorsatz, würde aber bedeuten, dass man Hehlerware beruhigt kaufen kann, wenn ein Dieb seine Ware nur teuer genug anbietet.

      Da Sie die Software für Ihre Kunden erwerben, wird von Ihnen eine erhöhte Sorgfaltspflicht erwartet. Es geht nicht um das Risiko, dass eine “ESD-Seriennummer irgendwann gesperrt” wird, sondern darum, dass Ihre Geschäftskunden bei einer Lizenzüberprüfung nicht teuer nachlizenzieren und obendrein möglicherweise juristische Konsequenzen fürchten müssen.

      Überspitzt gesagt könnten Sie – Ihrer Argumentation folgend – auch mit gestohlenen Autoradios handeln. Wenn Sie dann mal mit einem erwischt werden und es von der Polizei eingezogen wird, dann können Sie bei Ihrem Hehler für den Differenzbetrag immer noch nahezu drei weitere gestohlene Autoradios kaufen.

      Fazit: Können Sie die Herkunft von ESD-Schlüsseln nicht zweifelsfrei bestimmen, dann lassen Sie lieber die Finger davon, wenn Sie es ehrlich mit Ihren Kunden meinen.

      Beste Grüße,
      Redaktion von gebrauchtesoftware.de

    2. also gerade wenn sie diese Lizenzen an Ihre Kunden weitergeben finde ich dieses verhalten sehr unüberlegt. Sie können dadurch sowohl sich selbst und Ihrem Unternehmen schaden als auch jedem Ihrer Kunden der großes vertrauen in Sie setzt.
      Im Fall eines Lizenzaudits z.B müssen Ihre Kunden mit teuren Strafzahlungen und Nachlizenzierungen rechnen.
      Daraus werden Ihnen dann Schäden entstehen wenn die Kunden zurecht anmerken das Sie entgegen Ihrer Sorgfaltspflicht und entgegen besseren Wissens gehandelt haben.
      und da wundert sich jemand warum der deutsche Mittelstand abbaut…….

      1. Im Falle einer Überprüfung muss nicht nur Kunde eventuell Strafe zahlen, sondern auch so ein Händler wie EMi wegen Hehlerei vor ein Strafgericht und für Schadensersatzzahlung (Kunde + Microsoft!) vor ein Zivilgericht.
        Ja! da ist nix wegen Gutgläubigkeit, so jemand wie EMi MUSS mindestens wissen, dass der Preis wahrscheinlich nicht stimmen kann, also muss er die Ware ganz genau untersuchen inklusive explizite Product-Key-Überprüfung bei Microsoft mit Hinweis auf “Raubkopie-Verdacht”)

        Und auch ein EMi sollte ESD von Raubkopie unterscheiden können.
        ESD heißt ja nur Electronic Software Distribution/Delivery, legale ESD ist im Preis nicht unbedingt viel anders, als “Packerl-Ware”, Bei Produkten, bei denen dadurch CD bzw. DVD gespart wird ist es billiger.
        Bei Office-Varianten (für den Kundenkreis von “EMi” wohl überwiegend) die meist nur noch “medialess” vertrieben werden (Teil-ESD), ist volles ESD in etwa gleich teuer, der Hersteller spart sich da vieles, der Kunde zahlt für sofortige Verfügbarkeit.
        Und noch mal für EMi: Microsoft lässt sich bei der Verfolgung manchmal auch viel, viel Zeit. Nur weil die Hehlerei zwei, drei Jahre gut ging, heißt dies noch nichts.

  5. Kann es nur bestätigen. vor einem Jahr habe ich Office 2013 gekauft und seit Dezember 2015 funktioniert nicht mehr. keine Aktivierung möglich. Telefonisch kann man kein mehr erreichen.
    Unverschämtheit. So günstig war es auch nicht, fast 200 €
    Also, Hände weg von ESD Lizenzen.